Story
Dieser Schüleraustausch geht unter die Haut
Am 19. September 2025 war es endlich so weit: Nach einem halben Tag im Flugzeug landete Mira Hanspach aus Krefeld in Buenos Aires. Weiter ging es mit dem Auto; fünf Stunden später hatte sie ihr Zuhause auf Zeit erreicht: Für sechs Wochen war die Schülerin zu Gast in der argentinischen Küstenstadt Mar del Plata. Zwei Wochen vor ihrer Rückreise haben wir mit Mira gesprochen – über lockeren Unterricht, schnurgerade Straßen und einen neuen Berufswunsch.
Mira, wie hast du dich auf deinen Aufenthalt in Argentinien vorbereitet?
Viel habe ich eigentlich nicht gemacht. Ich habe ein paar Filme auf Spanisch geguckt, um in die Sprache reinzukommen. Um ehrlich zu sein, war das wahrscheinlich nicht genug, denn zu Beginn hatte ich schon ein paar Probleme, alles zu verstehen. Mittlerweile geht es deutlich besser. Aber ein perfektes Spanisch kriege ich wahrscheinlich hier nicht mehr hin – zugegebenermaßen bin ich nicht sehr sprachbegabt. Aber ich kann mich gut mit den Leuten hier verständigen.
Gab es etwas Besonderes, das du in deinen Koffer gepackt hast?
Ich hatte meine eigenen Duschsachen im Gepäck, weil ich nicht wusste, ob ich mit den Produkten hier zurechtkomme. Vermutlich wäre das nicht nötig gewesen: Die Argentinier duschen viel und lange; die Auswahl an Pflegeprodukten ist auf jeden Fall riesig.
Du gehst in Mar del Plata auf die Gutenberg-Schule. Wie gefällt es dir dort?
Es ist jedenfalls ganz anders als in Deutschland! Zunächst einmal gibt es keine Wahlfächer, wie das in Deutschland üblich ist, sondern einen festen Stundenplan für alle. Je nachdem welcher Lehrer in der Klasse ist, hängen die Schüler schon viel am Handy oder unterhalten sich. Das ist viel weniger streng als bei uns in Krefeld. Wobei ich es so verstanden habe, dass man in dieser Stufe quasi nicht durchfallen kann, sondern sozusagen automatisch besteht. Also zusammengefasst: Der Stundenplan ist starr, aber der Unterricht sehr locker.
Wenn der Unterricht weniger streng ist – ist auch das Leistungsniveau niedriger?
Das würde ich nicht sagen. In Mathe und Chemie sind sie hier definitiv weiter als an meiner Schule. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich hier in Juans Stufe gehe, die zwei Jahre über mir ist. Deshalb gibt es viel Unterrichtsstoff, den ich noch nicht kenne.

Ich habe neue Freunde gewonnen und mein Spanisch verbessert – das wird mir auf jeden Fall weiterhelfen in Zukunft.
Mira Hanspach
Wie hast du den Empfang in Juans Familie erlebt?
Ich wurde richtig gut aufgenommen! Sie haben mir eine Uhr mit argentinischer Zeit geschenkt, das fand ich sehr nett. Inzwischen verstehe ich mich mit allen sehr gut und vor allem mit Juans Mutter Marcela unternehme ich hin und wieder etwas. Wir gehen gemeinsam frühstücken oder spazieren – sie hat mich auch schon zu einer OP mitgenommen.
Zu einer Operation? Das musst du genauer erklären …
Marcela ist Schönheitschirurgin und hatte mich gefragt, ob ich Lust hätte, ihr bei der Arbeit zuzusehen. Also war ich bei zwei Brust-OPs dabei. Das fand ich total spannend und habe gleich gefragt, ob ich nochmal wiederkommen darf. Beim zweiten Mal habe ich dann zugesehen, wie einer Patientin Bauchfett entnommen und Muskeln zusammengenäht wurden. Ich fand’s super interessant!
Und im Alltag – was hat dich da überrascht? Für Juan war ja zum Beispiel das frühe Abendbrot in Deutschland ungewöhnlich …
Wir essen hier meistens so zwischen 21 und 22 Uhr, das ist definitiv anders als bei mir zu Hause. Außerdem gibt es zwei warme Malzeiten. Dafür essen wir am Morgen oft nur etwas Kleines, zum Beispiel einen Kakao und Medialunas, eine Art kleine Croissants, die mit Sirup übergossen werden. Sehr lecker! Am Wochenende lassen Juan und ich das Frühstück häufig ganz ausfallen, weil wir lieber ausschlafen.
Welche Unterschiede zu Deutschland sind dir noch aufgefallen?
Die Straßen hier sind ganz anders, die sind kerzengerade und alle 100 Meter kommt eine Kreuzung. Außerdem gibt es fast nur Einbahnstraßen, mit Ausnahme der Avenidas – wobei man da wiederum nicht links abbiegen darf. Da alle Straßen gleich aussehen, fällt es mir schwer, mich hier zu orientieren.
Die Inflation in Argentinien ist sehr hoch, viele Menschen leben in Armut. Bekommst du davon etwas mit?
Ich merke natürlich, wie hoch die Preise hier sind und habe auch die Zwischenwahlen zum argentinischen Kongress sozusagen live mitbekommen. Die Armut registriere ich nur am Rande, weil wir hier in einem wohlhabenden Viertel leben, das direkt in der Nähe der Hotels und der Tourismusregion in Mar del Plata liegt.
Wie verbringst du deine Freizeit in Mar del Plata?
Die Schule geht immer mindestens bis halb drei, manchmal auch bis Viertel vor fünf. Deshalb unternehmen wir nachmittags meistens nichts mehr, sondern treffen uns eher abends mit Freunden. Manchmal bin ich mit Juans Leuten unterwegs, ich habe aber auch schon eigene Freundschaften geschlossen. Mit einer anderen deutschen Austauschschülerin war ich zum Beispiel mal verabredet, um den Sonnenaufgang anzuschauen. Da war es so fünf Uhr morgens und viele Leute sind gerade aus den Clubs gekommen – das ist ganz typisch hier: Die Argentinier feiern viel und lange.






Während ihres Aufenthalts in Mar del Plata war Mira eng in das Familienleben eingebunden. Zum Abschuss unternahm die Familie eine Reise durch Argentinien und Brasilien.
Bald geht es zurück nach Deutschland für dich. Was steht bis dahin noch an?
Zum Abschluss reise ich mit Juans Familie nach Brasilien, wo wir uns die Iguazú-Wasserfälle anschauen werden, die genau zwischen Brasilien und Argentinien liegen. Außerdem ist ein Aufenthalt in Rio de Janeiro geplant, wo Juans Urgroßmutter lebt. Danach besuchen wir noch Buenos Aires. Insgesamt werden wir eine Woche unterwegs sein – und dann ist mein Aufenthalt hier auch schon zu Ende.
Was wirst du vermissen, wenn du wieder in Deutschland bist?
Auf jeden Fall Luna, die Katze der Familie. Und das Essen! Es hat mir hier wirklich immer sehr gut geschmeckt, vor allem, weil es fast jeden Tag Milanesas gab, das sind eine Art kleine Schnitzel. Außerdem liebe ich die kleinen Schokoküchlein hier, die Alfajores.
Juan hat er erzählt, dass er während seines Aufenthalts in Krefeld persönlich gewachsen ist und mehr Selbstbewusstsein gewonnen hat. Geht es dir ähnlich?
Auf jeden Fall hat mich die Zeit hier gestärkt und ich würde einen Auslandsaufenthalt jedem empfehlen. Ich habe neue Freunde gewonnen und mein Spanisch verbessert – das wird mir auf jeden Fall weiterhelfen in Zukunft. Und vor allem habe ich einen neuen Berufswunsch für mich entdeckt …
Welcher Berufswunsch ist das?
Ich möchte gerne Chirurgin werden. Schönheitschirurgie wird es vermutlich nicht, aber die Einblicke in die Arbeit von Juans Mutter haben auf jeden Fall mein Interesse für den Beruf geweckt.